„Solitary figures placed in undefined painterly spaces” Dénesh Ghyczy

Der ungarisch-deutsche Maler Dénesh Ghyczy
Der ungarisch-deutsche Maler Dénesh Ghyczy

Ich bekam einen Katalog über ihn und seine Gemälde in die Hand, blätterte und sah mich konfrontiert mit den unterschiedlichsten Bildern, alle gleichermaßen fesselnd, manche fast verstörend in ihrer Komposition. Eigentlich immer steht der Mensch im Mittelpunkt.

Portraits, die keine Portraits sind im herkömmlichen Sinn. Ihre Gesichter scheinen in einzelne Mosaiksteinchen zu zerfallen oder aber die Köpfe vervielfachen sich, zeigen unterschiedliche Gesichter, Gefühle. Eine junge Frau wendet buchstäblich ihren Blick zurück – der Kopf „geht“ nicht mit.

Ein Mensch steht an einem Fenster, den Blick nach draußen und ich frage mich, erwartet er oder sie jemanden? Was ist mit der jungen Frau, die „gedankenverloren“ am Fenster steht? Sucht sie die Antwort auf ihre Frage draußen oder bei sich?

Am Freitag war ich bei Dénesh Ghyczy in seinem Atelier. Bei seinen Fensterbildern sei er in gewisser Weise von Vermeer inspiriert worden. Anders als der holländische Altmeister wolle er aber die Vereinzelung des Menschen, seine Einsamkeit zeigen.

Das Alleinsein im schwerelosen Raum oder auch der Fall ins Bodenlose, zum Greifen nahe zu sein und doch getrennt vom Betrachter, Figuren im gleichen Raum, die aneinander vorbeischauen oder gehen, Menschen, die keine Notiz voneinander nehmen: das sind Themen, die Dénesh Ghyczy in seinen Bildern darstellt.

Der Künstler erzählt, dass er bei seinen Vorarbeiten oft mit der Kamera und dem Computer experimentiert. Damit könne er auf der einen Seite genauer sein, seine Arbeit kontrollieren, auf der anderen Seite stehe er vor der Herausforderung einen illusionären Raum zu schaffen, der bei aller Komplexität die Spannung schafft zwischen Genauigkeit und Grobheit.

Seine neue Serie Undercurrent zeigt das besonders gut. Ähnlich wie bei Edward Hopper sehen seine Protagonisten ganz realistisch aus, bewegen sich aber in einer vermeintlich echten, aber doch verfremdeten Umgebung. Das gilt auch für die Figuren von Dénesh Ghyczy.

Die technischen Vorarbeiten geben seinen Bildern den realistischen Anschein. Die Figuren sind so echt gemalt, dass man glaubt, ihnen gleich gegenüber zu stehen, manchen möchte man auf die Schulter tippen und sagen: hallo, ich bin auch da, dreh dich doch einfach um. Und dann merkt man erschrocken, dass eine unsichtbare Wand zwischen uns und dem Ghyczy‘ schen Menschen ist, beeindruckend gemalt. Man möchte glauben, dass ein durchsichtiger Vorhang oder eine Glasscheibe uns oder auch unterschiedliche Figuren in dem Raum voneinander trennen. Wir sind letztendlich nur die Betrachter, die den Raum und den einzelnen Menschen sehen, ihn aber nicht erreichen können. Sie und wir leben auf Distanz.

Das Gespräch mit Dénesh Ghyczy war sehr spannend und aufschlussreich. Sein Atelier liegt bei mir um die Ecke – in der Nähe der Kulturbrauerei in Berlin.

Dénesh Ghyczy, Inside Outside, 2017
Dénesh Ghyczy, Inside Outside, 2017

SpinnereiGalerien

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Mein letzter „Steps To Art“ in meinem Kunstmonat September führte mich in die Leipziger Baumwollspinnerei– auf die Spuren des Malers Neo Rauch! Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern der sogenannten Neuen Leipziger Schule. Angekommen auf dem riesigen Kunstareal verloren sich dann leider „seine Spuren“! Niemand wollte verraten, wo Neo Rauch sein Atelier hat, und aktuell zeigt die Galerie „Eigen+Art“ leider keine Werke von ihm. Schade! Ich muss wohl doch auf den Dokumentarfilm von Nicola Graef zurückgreifen, um Neo Rauch bei der Arbeit zuzusehen: „NEO RAUCH – Gefährten und Begleiter“.

Wie sehr Neo Rauch mit der Leipziger Wollspinnerei in einem Atemzug genannt wird, und nicht nur von mir, erfuhr ich, als ich die Galerie Kleindienst in Halle 3/11 betrat. Hier werden aktuell Werke von Henriette Grahnert (1977) gezeigt, die wie Neo Rauch eine Schülerin von Arno Rink ist (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig).

Ihre Bilder zeigen oft das Gegenspiel von Chaos und Ordnung. Schön ist das Bild „Stilläleiftäbelaus diesem Jahr. Fast hat man das Gefühl auf den Arbeitsplatz der Künstlerin zu schauen, den sie augenzwinkernd und leicht ironisch zum Träger all ihrer sprühenden Ideen macht, die explosionsartig hinausschießen. Die drei spitz zulaufenden, farbigen Dreiecke im Vordergrund erinnern an ein weiteres Bild der Künstlerin von diesem Jahr, aus dieser Idee entstand vielleicht das BildThe fab three“ 2017: https://www.artsy.net/artwork/henriette-grahnert-the-fab-three. Bis zum 7. Oktober kann man sich gefangen nehmen lassen von den wunderbaren tiefgründigen Gemälden von Henriette Grahnert.

Nach meinem Rundgang durch die Präsentation Henriette Grahnert – „Viva la Natura Morta! Es lebe das Stillleben!“ unterhielt ich mich mit Christian Seyde, einem der beiden Galeriebesitzer. Er selbst ist ein Bewunderer von Neo Rauch, bedauert es aber sehr, dass die Mehrheit der Besucher oft nur seinetwegen kommt. Die Wollspinnerei habe sehr viele andere gute Künstler und Galerien zu bieten.

Und dann erlaufe bzw. sehe ich doch noch zwei Neo Rauchs! Christian Seyde nimmt mich mit in sein Büro und packt andächtig zwei Zeichnungen aus! Danke!

 

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documenta 14

Nach der langen Sommerpause melde ich mich wieder zurück.

Ich habe den Monat September wieder als Kunstmonat genutzt.  Es gab viele Optionen Kunstorte zu erlaufen und zu entdecken – nach meinem Motto „Steps To Art“. Zum einen war hier in Berlin die Berlin Art Week und in Kassel neigte sich im September die documenta 14 dem Ende zu.

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Leider konnte ich aus Zeitgründen die Berlin Art Week nicht besuchen, dafür gab es eine tolle Vernissage der Magic Beans Gallery. Bis zum 5. November könnt ihr euch die abstrakten und farbenfrohen Kunstwerke der Künstlerin Claudia Chaseling anschauen. Die Künstlerin ist bekannt für ihre großformatigen Gemälde und Wandmalereien. Sie beschäftigt sich in ihrer Serie „Site-Mutative Painting“ mit unsichtbaren Mutationen und Veränderungen in der heutigen Gesellschaft und in der Natur. Die Bildmotive sind verzerrte Landschaften, mutierte Kreationen und Pflanzen. Was auf den ersten Blick chaotisch aussieht, zeigt beim näheren Hinsehen zumindest in den Formen eine sich wiederholende Struktur. Das Ganze erinnert in seiner Farbenpracht an Pop Art, manches an Comics. Auf alle Fälle wird man mithineingenommen in eine andere Welt.

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Die documenta 14 besuchte ich an ihrem letzten Wochenende und konnte noch das „Parthenon der Bücher“ der argentinischen Künstlerin Marta Minujín bestaunen. Der Tempel war das größte Kunstwerk in Kassel und aus der Ferne konnte man meinen, dass der Tempel aus vielen bunten, glitzernden Mosaiksteinchen zusammengesetzt worden war.  Direkt vor den Säulen stehend sah man dann, dass Tausende von Büchern eingewickelt in Klarsichtfolie die Fassade einer Stahlkonstruktion verkleideten. Man las die Titel und Autoren von Büchern wie zum Beispiel: „Alice im Wunderland“ von Lewis Carrol oder „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe – auch die Bibel war dabei. Insgesamt 50.000 Bücher soll Maria Minujin hier verarbeitet haben. Die Lektüren wurden von Institutionen und privaten Lesern gespendet. Der Ort dieses außergewöhnlichen Parthenons, nachempfunden dem griechischen Symbol für Demokratie, hat seine eigene, symbolische Bedeutung – genau auf diesem Platz, dem Friedrichsplatz, wurden 1933 viele Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt, die sogenannten Bücher „Wider den deutschen Geist“.
Der Tempel erinnert uns an die Freiheit des Wortes – er ist ein Mahnmal oder ein Wahrzeichen gegen jede Diktatur , die die Freiheit des literarischen Denkens verwehrt. Und er fordert diese Freiheit ein, gerade weil diese Freiheit des Wortes in vielen Ländern der Welt nicht vorhanden ist.
In den letzten Tagen der Ausstellung durften sich die BesucherInnen die Bücher holen, die nach und nach von den Säulen des  „Tempels“ abgenommen wurden,  als Andenken an Kassel und auch an das monumentale Kunstwerk. „Laokoon“ von Lessing und „Sladek“ von Horváth stehen jetzt bei mir.
Im Ganzen war ich sehr beeindruckt von „meiner ersten“ documenta. Ich freue mich schon auf die Nächste, um  einen Vergleich ziehen zu können.

 

ArtNight

Wann hast du das letzte Mal ein Bild gemalt? Oder dein eigenes Meisterwerk erschaffen?

ArtNight bietet uns die tolle Gelegenheit, selbst mal für einen Tag Künstler zu sein. Genau das war ich am Samstagnachmittag. Gemeinsam mit einer Freundin besuchte ich die Veranstaltung in Berlin Mitte und wir durften unsere eigene Berliner Skyline auf die Leinwand zaubern. In lockerer Atmosphäre erklärte uns die Künstlerin Kaitlyn Parker, wie wir am besten an das Gemälde herangehen, welche Maltechniken es gibt und welche Farbkompositionen. Dann durften wir alle loslegen und kreativ sein.

Es hat mir super viel Spaß und Freude gemacht, vor allem nach langer Zeit mal wieder ein eigenes Kunstwerk zu erschaffen.

Habt ihr schon einmal bei ArtNight mitgemacht? Wenn nein, dann schaut doch mal auf der Seite vorbei. Es gibt viele unterschiedliche Motive, die ihr selbst gestalten könnt bei einem Themaabend: von Frida Kahlo, Monet bis hin zum Bansky.

 

„Mario Testino. Undressed Helmut Newton. Unseen Jean Pigozzi. Pool Party“

Räume voller Emotionen und Körper. Pure Erotik. Anatomische Bewegungen. Überlebensgroße Porträts.
Groß aufgezogene Fotos, die an den Wänden der drei Ausstellungssälen in der Helmut Newton Foundation Berlin kleben.

Wenn man durch die Ausstellung streift, taucht man in die Welt des bekannten Modefotografen, Mario Testino, ein. Man wird regelrecht gefangen genommen von der Ausstrahlung der Bilder.

Modefotografie mal anders. Anatomie, Erotik und Mode auf riesen Leinwänden bis 19. November in der Helmut Newton Foundation (Ausstellung „Mario Testino. Undressed
Helmut Newton. Unseen
Jean Pigozzi. Pool Party“).

Es lohnt sich!

 

ARTMUC Kunstmesse

Heute habt ihr noch die letzte Chance auf die Artmuc Kunstmesse zu gehen! 350 Künstler, wie zum Beispiel Petra Rös-Nickel und Naomi Lawrence, stellen ihre Bilder aus.

Letztere benutzt die Sprüche aus existierende Comics, wie zum Beispiel Superwoman, und verlinkt diese mit gesellschaftspolitischen Themen.

Vor Ort könnt ihr live den anderen Künstler zu schauen, wie sie Kunst gestalten. Ein spannender Prozess und außerdem für jeden etwas dabei!

 

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